Wachstumsperspektiven – aber politischer Handlungsbedarf
Neue HEV-Studie zum Wohnstandort St.GallenDie neue HEV-Wohnstandortstudie zeigt: Die Stadt St.Gallen ist weiterhin ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort mit Wachstumspotenzial. Bis 2040 wird ein deutliches Bevölkerungswachstum und ein erhöhter Wohnungsbedarf erwartet. Damit die Stadt konkurrenzfähig bleibt, braucht es bessere Rahmenbedingungen bei Steuern, Raumplanung und Regulierung.2018 hatte der HEV Stadt St.Gallen erstmals eine Studie zum Wohnstandort St.Gallen publiziert. Nach einer Aktualisierung 2021 liess der Verband jetzt wieder in Zusammenarbeit mit Gewerbe Stadt St.Gallen und Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) die Attraktivität der Stadt St.Gallen als Wohnstandort überprüfen. Die erneut von der Fahrländer Partner Raumentwicklung AG erarbeitete Studie kommt zum Schluss: Die Stadt St.Gallen bleibt ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort mit guten Zukunftsperspektiven – aber nur, wenn Wohnen, Steuern und Raumplanung wirtschaftsfreundlich weiterentwickelt werden.
Hohes Wachstum prognostiziert
Nach langer Zeit des moderaten Wachstums fiel es seit der letzten Studie durch die Zuwanderung dynamischer aus. Sie prognostiziert für die kommenden Jahre auch ein deutliches Bevölkerungs- und Haushaltswachstum. Bis 2040 wird ein überdurchschnittlicher Zuwachs von rund 14’500 Einwohnerinnen und Einwohnern erwartet, was eine zusätzliche Nachfrage nach über 8’000 Wohnungen auslösen dürfte. Gleichzeitig bestehen zu geringe mobilisierbare Bauzonenreserven und eine zunehmende Regulierung hemmt die Erstellung neuer Wohnungen.
Altbauten stehen häufig leer
Der Wohnungsmarkt zeigt insgesamt eine robuste Entwicklung. Die Marktmieten sind in den letzten Jahren zwar angestiegen, sind aber weiterhin auf klar unterdurchschnittlichem Niveau und deutlich unter den Preissteigerungen beim Wohneigentum. Die Stadt weist im schweizweiten Vergleich weiterhin eine sehr hohe Leerstandsquote auf. Die leerstehenden Wohneinheiten sind fast ausschliesslich Altbauten, was auf ein falsches bzw. überaltertes Wohnangebot hindeutet. Denn ein Drittel aller Wohneinheiten in St.Gallen wurde vor 1919 gebaut – ein deutlich höherer Anteil als in Vergleichsregionen. Zudem ist die Bautätigkeit und der Anteil neu erstellter Wohnungen deutlich unterdurchschnittlich.
Attraktivität Wohnstandort unter Druck
Die im kantonalen Vergleich hohe Steuerbelastung für natürliche Personen schwächt die Standortattraktivität. Das in der Stadt verfügbare Einkommen fällt insbesondere für Familien unterdurchschnittlich aus. Sie verlassen die Stadt, was zu einer Erosion der Mittelschicht führt. Die soziale und fiskalische Basis der Stadt droht sich auseinanderzubewegen – mit langfristig negativen Folgen für den Steuerertrag oder das lokale Gewerbe.
Rahmenbedingungen weiterentwickeln
Der Hauseigentümerverband Stadt St.Gallen sieht sich durch die Ergebnisse der Studie in seiner Einschätzung bestätigt: Die Stadt verfügt über solide Standortqualitäten, muss jedoch ihre Rahmenbedingungen gezielt weiterentwickeln. Entscheidend sind insbesondere Planungs- und Investitionssicherheit, effiziente Bewilligungsverfahren, schlanke Regulierung sowie bessere steuerliche Bedingungen. Nur wenn es gelingt, bestehende Baulandreserven konsequent zu mobilisieren und die Standortattraktivität zu stärken, kann St.Gallen seine Rolle als attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort langfristig sichern.