Personalaufwand steigt überproportional
Überlegungen zu den Jahreszielen des St.Galler StadtratesEntwicklungen in der Stadt Zürich sollten auch für St.Gallen ein Warnsignal sein. Denn im Gegensatz zur Limmatstadt ist der finanzielle Handlungsdruck in St.Gallen deutlich ausgeprägter: Steigende Verschuldung, hohe Steuern und stark wachsender Personalaufwand verdeutlichen den Spardruck. Ohne Kurswechsel droht der Gallusstadt ein Attraktivitätsverlust.«Jedes dritte Unternehmen glaubt, dass die Stadt weiter an Attraktivität einbüssen wird – nicht nur die Steuern sind ein Problem» schrieb vor kurzem die NZZ zu den Resultaten einer Firmenbefragung. Gemeint war damit zwar die Stadt Zürich, aber der gleiche Befund könnte auch schon bald der Gallusstadt blühen: Der Stadtrat hat Ende Januar bei der Präsentation seiner Jahresziele informiert, dass er – analog der Stadt Zürich – eine Unternehmensbefragung vorsieht. Eine Umfrage ist löblich, um herauszufinden, wo den Unternehmen der Schuh drückt. Sie nützt aber erst etwas, wenn die richtigen Schlüsse und Massnahmen daraus abgeleitet werden.
Verkehr, Steuern, Parkplätze,…
In der Limmatstadt hat die Umfrage jedenfalls dringenden Handlungsbedarf aufgezeigt. Nur noch 62% gaben an, mit dem Standort glücklich zu sein. Die Stadt habe seit Jahren ihre sechs drängendsten Probleme nicht angegangen, die Wirtschaft und Gewerbe plagen: Immobilien, Verkehr, Preisniveau, Steuern, Bürokratie und Parkplätze. Die Kritikpunkte aus der Zürcher Befragung zeigen schon jetzt auf, in welche Richtung sich die Stadt St.Gallen nicht weiter bewegen darf, wenn sie sich als wirtschaftliches Zentrum der Ostschweiz behaupten will.
Sparen als zentrales Ziel
Dabei schwebt über allen stadträtlichen Jahreszielen das Damoklesschwert des Spardrucks. Das Entlastungsprogramm «Alliance» wird die zentrale Herausforderung darstellen. Denn die laufenden Ausgaben rennen davon und die Verschuldung steigt. Und das, obwohl die Steuerbelastung deutlich höher liegt als in den umliegenden Gemeinden und die Stadt weiter an steuerlicher Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst hat.
Dies hat zwar auch mit den Mechanismen des kantonalen Finanzausgleichs zu tun, ist aber zu grossen Teilen hausgemacht. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man die Entwicklung des Personalaufwandes über die letzten zehn Jahre betrachtet: 2015 wies die Stadt St.Gallen einen Personalaufwand in der Höhe von 246,9 Mio. Franken auf. Gemäss Budget 2026 liegt der Personalaufwand bereits bei 288,4 Mio. Franken – oder fast 17% mehr als zehn Jahre zuvor.
Wohnbevölkerung wächst weniger dynamisch
Das Bevölkerungswachstum konnte dieser Aufwandsteigerung bei weitem nicht standhalten. Zwar stieg in dieser Zeitspanne auch die Wohnbevölkerung von 79'410 Personen im Jahr 2015 auf 83'843 Personen per Ende 2025 an. Dies entspricht einem Wachstum von 5.6%. Der Personalaufwand stieg somit dreimal stärker an als die Wohnbevölkerung. Ein Missverhältnis, das zu denken geben muss.