Es grünt so grün in der Stadt St.Gallen
…und wo ist das Preisschild?St.Gallen glänzt festlich, doch hinter den Lichtern wächst der Schuldenberg. Trotz angespannter Finanzen treibt der Stadtrat teure grüne Umbauprojekte voran – von Begegnungszonen bis Begrünungen. Während von den Neugestaltungen ganzer Strassenzüge geschwärmt wird, werden die Kostenfolgen unter den Teppich gekehrt.In den Gassen der Stadt St.Gallen funkeln wieder die Sterne, der Geruch von Glühwein und Zimt steigt in die Nase und überall ist alles festlich dekoriert. Kurzum: Es ist kurz vor Weihnachten. Haben Sie schon alle Geschenke besorgt? Es ist die Zeit, bei der man vielleicht etwas weniger genau auf den Preis schaut, wenn man seinen Liebsten dafür eine Freude bereitet. Es entsteht der Eindruck, dass sich der Stadtrat das ganze Jahr in dieser festlichen Stimmung befindet. Denn das Preisschild seines Tuns scheint ihn immer weniger zu kümmern.
Schuldenberg wächst
Dabei ist es hinlänglich bekannt: Die Finanzen der Stadt sind mehr als angespannt. Das Budget 2026 rechnet mit einem Defizit von 25 Millionen Franken, das Betriebsergebnis sieht sogar noch viel düsterer aus. Und es ist keine Besserung in Sicht. Mit den wirtschaftlichen Unsicherheiten zurzeit erst recht. Gleichzeitig stehen grosse Investitionen an: In die Fernwärme, das Elektrizitätsnetz, das Hallenbad Blumenwies oder in mehrere Schulen. Der Selbstfinanzierungsgrad dieser Investitionen liegt bei lausigen 18 Prozent! Das heisst: Die Stadt türmt weiter Schulden auf.
Grüner Wunschkatalog
Vor diesem Hintergrund knapper Kassen irritiert der in immer schnellerer Abfolge präsentierte Umbau unserer Stadt. Gemäss den Wünschen des Vereins «Grünes Gallustal» wird St.Gallen scheibchenweise in grüne Wohlfühlzonen umgewandelt. In dieser Realität wird flaniert statt gearbeitet, Geld ausgegeben statt verdient. Im Linsebühl soll eine Begegnungszone «Maxi» entstehen, in der Hinteren Poststrasse/Hintere Bahnhofstrasse ebenso, die St.Leonhard-Strasse begrünt und mit FLOZ (FLächiges queren in OrtsZentren) überzogen – d.h. Fussgängerstreifen und Ampeln werden gestrichen. Es wird Vorlage um Vorlage präsentiert, bei der Bäume gepflanzt, Parkplätze abgebaut und der motorisierte Individualverkehr weiter eingeschränkt wird. Dabei wird in den schönsten (grünen) Farben von höherer Lebensqualität, besserem Klima und velofreundlicher Verkehrsführung geschwärmt.
Endstation: Zwei Milliarden Franken
Nur: Über die Kosten – die Investitionen, aber erst recht die wiederkehrenden Mehrkosten für den Unterhalt – wird der Mantel des Schweigens gelegt. Durch die Salami-Taktik des Stadtrates wird der Stimmbevölkerung das Ausmass des grünen Preisschildes zu wenig bewusst: Dort zwei Millionen, dort zehn Millionen, dann fünf Millionen. Und schon verschärft sich das strukturelle Finanzproblem der Stadt noch weiter.
Da ist der Verein «Grünes Gallustal», dessen Wunschkatalog der Stadtrat Stück um Stück erfüllt, erfrischend ehrlich: Er beziffert die Kosten seiner Massnahmen auf zwei Milliarden Franken.