Denkanstoss aus amerikanischer Perspektive
Jahrestreffen der Gruppe Haus- und GrundeigentumUnter dem Titel «One Nation under God» referierte HSG-Professorin Claudia Franziska Brühwiler über die Frage, warum wir die USA ohne religiöse Bildung nicht verstehen. Die Amerika-Spezialistin trat an der traditionellen Informationsveranstaltung der parlamentarischen Gruppe Haus- und Grundeigentum auf, bei der die Kantonsratsmitglieder auf künftige eigentumsrelevante Themen aufmerksam gemacht wurden.Wie ähnlich sind sich die «Schwesterrepubliken» USA und Schweiz tatsächlich? Vermutlich weniger als man gemeinhin annimmt, wie Claudia Franziska Brühwiler in ihrem Referat am Jahresanlass der Gruppe Haus- und Grundeigentum aufzeigte. Die Politikwissenschaftlerin von der Universität St.Gallen warf einen spannenden und zugleich herausfordernden Blick über den Atlantik und widmete sich der Frage, weshalb die USA ohne religiöse Bildung und deren historischen Einfluss kaum zu verstehen sind.
Religion hat sehr hohe Bedeutung
Die Religion sei in den USA omnipräsent, was bereits in der amerikanischen Gründungsphase angelegt gewesen sei. Moralische Vorstellungen, religiöse Überzeugungen und politisches Selbstverständnis waren in den USA seither miteinander verflochten. Die bekannte Metapher der «City upon a Hill» verdeutliche bis heute den Anspruch einer besonderen moralischen Verantwortung, den die USA an sich selbst stellen. Die hohe Bedeutung der Religion sei denn auch der grosse Unterschied zum säkularisierten Westeuropa – selbst bei den Mitgliedern der Kirche. So beurteilen 68% der amerikanischen Christen die Religion als «sehr wichtig» für ihr Leben, während nur 14% der westeuropäischen Christen dies ebenso sehen. Insbesondere der Katholizismus erlebt in der gegenwärtigen politischen Polarisierung zwischen Populismus und «Wokeness» eine Stärkung in den USA. Gerade die junge Generation ziehe es hin zum katholischen Glauben, der mit starren Ritualen und einer jahrtausendealten Geschichte Stabilität und Verlässlichkeit ausstrahle.
Ja zu Witen und WILWEST
Vor dem Gastreferat wurden die Mitglieder der Gruppe Haus- und Grundeigentum im Kantonsrat über Erreichtes informiert und auf künftige Herausforderungen eingestimmt. So verwies HEV-Präsident Walter Locher auf die beiden wichtigen kantonalen Volksabstimmungen vom 8. März 2026: Der HEV setzt sich sowohl für den Bau der Kantonsstrasse zum See mit Anschluss Witen als auch für das Grundstücksgeschäft WILWEST ein. Beide Vorlagen bedeuten wichtige verkehrspolitische Weichenstellungen. Gleichzeitig steht das Eigentum verschiedentlich unter politischem Druck: Tempo 30 auf verkehrsorientierten Hauptstrassen, Regulierungen des Immobilienmarktes und radikale Vorschläge zur Wohnpolitik gelte es zu bekämpfen, sagte HEV-Präsident Walter Locher.
Aktive Politik zugunsten des Eigentums
Patrick Dürr, Präsident der Gruppe Haus- und Grundeigentum, verwies in seinem Jahresbericht auf hängige und eingereichte Vorstösse aus HEV-Kreisen wie die Motion bezüglich Anpassung der Sondernutzungsplanung, um einen Planungsstillstand zu verhindern. Bei der geforderten Neuregelung des Schätzungswesens konnte der HEV bereits Erfolge verbuchen, auch wenn man noch nicht ganz am Ziel sei.