Stadtverband

Alles andere als Wohnungsnot

HEV-Wohnstandortstudie 2026Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es in St.Gallen mehr als genug leere und bezahlbare Wohnungen – die Leerstandsquote ist seit Jahren überdurchschnittlich hoch. Vielmehr ist die sehr hohe Zahl an Altbauten und die tiefe Bautätigkeit ein Hemmschuh, damit sich die Stadt St.Gallen positiv entwickeln kann.
Alles andere als Wohnungsnot

In der Stadt Zürich eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist alles andere als einfach: So wurde Mitte letzten Jahres vermeldet, dass die Leerwohnungsziffer in der Limmatstadt bei gerade einmal 0,1% lag. Ganz anders sieht es in der Stadt St.Gallen aus: Gemäss der neuen HEV-Wohnstudie fällt die Leerstandsquote seit Jahren überdurchschnittlich hoch aus. 2025 lag sie in der Stadt St.Gallen bei 2,3%, während im ganzen Kanton St.Gallen 1,37% der Wohnungen leer standen und schweizweit 1,0%. In ganzen Zahlen bedeutete dies: Am Stichtag letzten Jahres standen über 1000 Wohnungen in der Gallusstadt leer, davon waren 99% Altbauten und zu 95% waren es Mietwohnungen. Das Angebot ist also vorhanden, aber es deckt sich nicht genügend mit den Bedürfnissen der Wohnungssuchenden, vor allem von Familien und besser Verdienenden.

Viele über 100-jährige Wohnungen 
Der hohe Leerstand an Altbauten ist wenig erstaunlich: St.Gallen verfügt über einen äusserst hohen Anteil an alten Wohnungen. Ein Drittel der bestehenden Wohnungen wurde vor 1919 gebaut. In anderen vergleichbaren Städten (Kernstadt einer mittelgrossen Agglo­meration) sind nur etwa zwölf Prozent des Wohnungsbestandes so alt. Die historische Bausubstanz gehört zum kulturellen Erbe St.Gallens und prägt das Stadtbild. Gleichzeitig ist sie aber auch eine Heraus­forderung für die Modernisierung des Wohnungsangebotes. Der Denkmalschutz nimmt dabei eine zentrale Rolle ein: Zwar werden architektonisch und historisch wertvolle Gebäude geschützt, andererseits schränkt er aus ökonomischer, ökologischer oder raumplanerischer Sicht sinnvolle Ersatzneubauten ein. 

Investoren sind beim Denkmalschutz zudem mit rechtlichen Unsicherheiten konfrontiert, was Planungsprozesse erschwert: Bereits eine Schutzvermutung kann dazu führen, dass Baugesuche abgelehnt oder zeitlich verzögert werden.

Geringe Erneuerung des Wohnungsbestandes
Das zeigt sich auch in der unterdurchschnittlichen Bautätigkeit in der Stadt St.Gallen: Zwischen 2015 und 2018 wurde nur 0,4% des Wohnungsbestandes neu gebaut, schweizweit lag dieser Wert bei etwa 1,2%. In der Folge stieg die Baudynamik in der Gallusstadt zwar, blieb aber weiterhin eher tief. 2023 und 2024 ist der Anteil neu erstellter Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand wieder massiv zurückgegangen.

Die Stadt St.Gallen hat seit Jahren eine überdurchschnittlich hohe Leerstandsquote. 2025 lag sie mehr als doppelt so hoch wie im Schweizer Schnitt und 23 Mal höher als in der Stadt Zürich.